Was versteht man unter einem Bruch?

Ein Bruch (=Hernie) ist eine Verlagerung von Eingeweiden, wie beispielsweise des Darms, aus der Bauchhöhle nach außen vor die Bauchwand. Dies kann durch eine angeborene oder eine erworbene Öffnung entstehen. Dabei wölbt sich das Bauchfell sozusagen als Bruchsack in das Unterhautfettgewebe unter die Haut oder in den Hodensack vor.

Kindliche Leistenbrüche entwickeln sich entlang des Leistenkanals. Somit besteht jeder Bruch aus einer Bruchpforte – das ist die Bruchlücke; also das Loch in der Bauchwand, einem durch die Schwachstelle in der Bauchwand ausgetretenem Bruchsack (ausgestülptes Bauchfell) und dem Bruchinhalt selbst (Teile von Bauchorganen, meist des Darms). Der Leistenbruch tritt oberhalb, der Schenkelbruch jedoch unterhalb des Leistenbandes auf.

Wie entsteht ein Bruch?

Hernien sind angeboren oder durch eine (mit dem Alter zunehmende) Schwäche der Bauchwand erworben. Das ständige Heben schwerer Lasten, chronischer Husten, Bauchwasser (Aszites) oder frühere Schwangerschaften (Druckerhöhungen in der Bauchhöhle) können zum Auftreten eines Bruchs beitragen. Meistens wird keine spezifische Ursache für das Auftreten eines Bruchs gefunden. In der Regel entsteht ein Bruch an bekannten anatomischen Schwachstellen in der Bauchdecke. Am häufigsten ist der Leistenbruch (= Inguinalhernie). Diese Bruchform macht etwa 80% aller Hernien aus. In Deutschland werden rund 220.000 Patienten pro Jahr an einem Leistenbruch operiert. Weniger häufig sind der Nabelbruch (= Umbilikalhernie), der Schenkelbruch (= Femoralhernie) und Narbenbrüche im Bereich früherer Operationszugänge in die Bauchhöhle.

Welche Bruch-Typen gibt es?

1. Leistenbruch

Dieser Bruch betrifft Frauen und Männer, jedoch sind Männer häufiger betroffen. Der Leistenbruch stellt den häufigsten Bruch dar und kommt bei etwa 2-3% der Bevölkerung vor. Die Leistenregion ist eine Schwachstelle der Bauchdecke, da beim Mann der Samenstrang durch die Bauchdecke nach außen tritt und von dort aus zum Hoden zieht. Auch bei der Frau stellt dies eine Schwachstelle dar, denn das Aufhängeband der Gebärmutter aus der Bauchhöhle zieht durch die Bauchdecke nach außen. Diesem natürlichen Weg folgt der Inhalt der Bauchhöhle mit Bauchfell, Darm oder Fettschürze. Die Mehrzahl der Leistenbrüche sind angeboren und nur wenige erworben. Bemerkbar wird dieser Bruch durch eine Vorwölbung in der Leiste. Liegt man flach im Bett, kann die Vorwölbung verschwinden oder sie lässt sich von Hand zurückschieben. Beim Aufstehen, besonders beim Husten oder Pressen tritt sie jedoch wieder nach außen. Der Leistenbruch hat eine Tendenz im Laufe der Zeit an Größe zuzunehmen. Gefährlich wird es dann, wenn der Bruch nicht mehr zurückgeschoben werden kann oder plötzlich sehr schmerzhaft wird. Dies sind Gründe sofort einen Chirurgen aufzusuchen.

2. Schenkelbruch

Dieser Bruch kommt häufiger bei Frauen vor, ist aber insgesamt seltener als ein Leistenbruch. Man bemerkt normalerweise eine Vorwölbung in der Leiste in Richtung Oberschenkelinnenseite. Diese Form des Bruchs neigt eher zur Brucheinklemmung. Aus diesem Grunde sollte ein Schenkelbruch immer operiert werden.

3. Epigastrischer Bruch

Dieser Bruch wird durch eine Bruchlücke exakt in der Mitte im Faszienbereich zwischen der geraden Bauchmuskulatur hervorgerufen. Ein epigastrischer Bruch kann irgendwo in der Mittellinie zwischen Brustbein und Nabel auftreten. Dabei kann es sich nur um eine sehr kleine schmerzhafte Vorwölbung handeln. Häufig sind Patienten im mittleren Lebensalter betroffen.

4. Nabelbruch

Dieser Bruch kommt direkt am oder um den Nabel herum vor. Sehr häufig findet er sich im Kindesalter; im Erwachsenenalter kommt der Nabelbruch vor allem bei Frauen vor, die Kinder geboren haben.

5. Narbenbruch

Dies Bruchform kann überall dort vorkommen, wo früher eine Operation mit Zugang zur Bauchhöhle durchgeführt wurde. Die Narbe stellt sozusagen die Schwachstelle dar.

Wie bemerkt man einen Bruch?

Meist findet sich eine symptomlose weiche Schwellung, beispielsweise in der Leiste, die bei Männern auch bis zum Hodensack reichen kann. Leistenbrüche und besonders Schenkelhernien machen oft jahrelang gar keine Beschwerden, eventuell ist nur eine gelegentliche Vorwölbung in der Leiste erkennbar. Bemerkbar macht sich ein Bruch oft nur durch einen ziehenden, teils stechenden, häufig belastungsabhängigen Schmerz. Beim Betasten oder Einstülpen einer größeren Hernie kann man auch gurrende Darmgeräusche hören.

Warum tritt eine Hernie auf, und wie kann ich sie verhindern?

Das Auftreten eines Bruchs lässt sich im Allgemeinen nicht verhindern. Brüche kommen bei einem von zehn Menschen vor, unabhängig davon, ob diese einen aktiven oder eher inaktiven Lebensstil bevorzugen.

Welche Risikofaktoren gibt es, die das Auftreten von Brüchen begünstigen?
  • Erhöhter Innendruck des Bauchraumes durch chronische Verstopfung
  • Gewichtszunahme / Adipositas
  • Chronischer Husten
  • Prostatavergrößerungen
  • Schwangerschaften
  • Wiederholtes Heben schwerer Lasten
  • Erhöhtes Lebensalter mit Abnahme der Bindegewebsfestigkeit
  • Aszites / Bauchwasser
Was passiert, wenn ich den Bruch einfach ignoriere?

Generell gilt: Ein Bruch, der einfach zurückgeschoben (reponiert) werden kann, stellt keine unmittelbare Gefährdung für den Patienten dar, kann jedoch unangenehm sein und später zu Komplikationen führen. Brüche heilen nie von selbst und nehmen mit der Zeit meist an Größe zu, was oft mit einer Zunahme an Schmerzen einhergeht. Ein Bruchband kann vorübergehend lindernd wirken, bringt aber auf Dauer keinen Erfolg.

Manchmal kommt es jedoch vor, dass der Inhalt des Bruchs (beispielsweise der Darm) stranguliert und somit die Blutzufuhr unterbrochen wird. Dies führt zu einer akuten Minderdurchblutung des strangulierten Gewebes. Folglich kommt es zum Absterben des eingeklemmten Darmabschnittes, zum Darmverschluss und möglicherweise zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung. Der Patient bemerkt dies meistens an plötzlich zunehmenden starken Schmerzen, oftmals auch an einer Hautrötung über dem Bruch. Eine solche Einklemmung ist ein lebensbedrohlicher Zustand und erfordert die notfallmäßige Operation. Viel günstiger ist es, rechtzeitig zu einem geplanten Zeitpunkt zu operieren.

Welche Behandlung kommt infrage?

Jeder Bruch sollte spätestens dann operiert werden, wenn der Patient Beschwerden hat. Die Operation ist die einzig mögliche definitive Behandlungsmöglichkeit.

Hinweise zur Leistenbruch-OP:

Geplante Bruchoperationen können in Narkose, in besonderen Fällen können diese bei uns in der Chirurgischen Gemeinschaftspraxis auch in Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) durchgeführt werden. Die Operation erfolgt im Allgemeinen ambulant, in ausgewählten Fällen als Kurzzeit-Aufenthalt, das heißt, unsere Patienten können unsere Praxisklinik meistens am Folgetag verlassen. Wichtig ist, dass Abholung organisiert ist, da der Patient nach der Operation nicht selbst Autofahren sollte.

Verschiedene Operationstechniken haben sich bewährt die wir individuell dem Patienten anpassen. Die Methodenwahl richtet sich nach Ihrem speziellen Befund. Welche Operation für Sie die Beste ist, klären wir mit Ihnen persönlich in einem Beratungsgespräch. Denn nicht jede Technik ist für jeden Bruch gleich gut geeignet. Es gibt folgende Operationsmöglichkeiten die wir alle anbieten.

  1. Methoden ohne Kunststoffnetz-Einsatz, also ohne körperfremdes Material. Die sogenannte Shouldice Operation wird heutzutage nur noch bei kleinen Bruchlücken und langer Schonungsmöglichkeit durchgeführt und stellt bei uns nicht mehr die bevorzugte Operationstechnik dar. Sie wird in lokaler Betäubung beziehungsweise Maskennarkose ambulant durchgeführt. Der Hautschnitt in der Leiste und die später daraus resultierende Narbe wird etwa 5-8 Zentimeter lang sein. Normalerweise können Sie noch am Abend des Operationstags unsere Praxis oder Praxisklinik wieder verlassen.

  2. Methoden mit Kunststoffnetzeinlage zur Wandverstärkung. Im Falle der Kunststoffnetzeinlage zur Wandverstärkung wird an der Schwachstelle der Bauchdecke ein feines Kunststoffnetz eingenäht. Netzverstärkte Operationen werden heutzutage bevorzugt, insbesondere die minimal-invasive Schlüssellochtechnik (TEP). Die Operationen dauern zwischen 30 und 60 Minuten. Dabei werden 3 kleine Hautschnitte, 0,5 cm bis 1 Zentimeter groß benötigt, die dann verklebt werden. Bezüglich des Kunststoffs brauchen Sie nicht mit nachteiligen Folgen zu rechnen, da diese Materialen in der operativen Medizin seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich zum Einsatz kommen. Die minimal-invasive Schlüssellochtechnik führt zur schnellsten Belastbarkeit und zu deutlich weniger Beschwerden nach der Operation. In unserer Praxis wird diese Technik favorisiert, wenngleich auch die anderen Techniken bei uns noch ihren Stellenwert haben.
Welche Risiken birgt die Operation?

Wie bei allen Operationen kann es trotz größter Sorgfalt zu einer Nachblutung oder zu einer Wundinfektion kommen. In den meisten Fällen kann dies ohne größere Probleme durch den Hausarzt nachbehandelt werden. Extrem selten beschrieben wird die Möglichkeit einer Verletzung innerer Organe (Blase/Darm) oder von Blutgefäßen, Nerven und Samenleiter. Nach der Operation kann besonders bei älteren Männern auch ein vorübergehendes Harnverhalten auftreten, wie auch eine vorübergehende Schwellung des Hodensacks.

Was ist bei der Nachsorge zu beachten?

Nach der Entlassung erhalten Patienten ein Schmerzmedikament rezeptiert bzw. ausgehändigt, ähnlich wie auch bei einem stationären Krankenhausaufenthalt. Sie kommen am nächsten Tag wieder zur Wundkontrolle und nach 7-10 Tagen werden von uns die Hautfäden gezogen. Duschen ist bereits ab dem 2. Tag nach Operation erlaubt. Körperliche Schonung etwa 7-14 Tage, das heißt, sich nicht über die Schmerzgrenze hinaus belasten. Das Heben von schweren Lasten sollte bei der minimal-invasiven Schlüsselloch-Chirurgie für 2-3 Wochen vermieden werden, bei den offenen, konventionellen Verfahren sogar mindestens 4-6 Wochen.